Das hybride Arbeitsmodell mit Kind(ern) – Chancen und Herausforderungen

Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich das Homeoffice, als hybrides Arbeitsmodell, in den meisten Unternehmen fest etabliert. Vor allem für Eltern bietet diese Möglichkeit die Chance, Familie und Beruf besser in Einklang zu bringen. In diesem Beitrag möchten wir die Vor- und Nachteile des hybriden Arbeitmodells mit Kind(ern) beleuchten sowie unsere Erfahrungen bei der Brainformatik mitteilen.

Einleitung

Selbstverständlich erinnern wir uns alle an das Jahr 2020, als die Welt gefühlt einen Stillstand erlebte. Dennoch waren wir nicht in der Lage, innezuhalten. Wir mussten unermüdlich weiterarbeiten und gleichzeitig die Betreuung unserer Kinder sicherstellen. Für mich und für viele andere war das einer der wahrscheinlich größten Herausforderungen. Kindergarten und Schule mussten schließen, was zu ganztägiger häuslicher Unterhaltung und Homeschooling führte. Als alleinerziehende Mutter war dies kaum mit meiner derzeitigen Vollzeitanstellung als Einzelhandelskauffrau tragbar. Es gab die Möglichkeit, vorübergehend in Kurzarbeit zu gehen, was jedoch auch mit einem Gehaltsverlust von 33% einherging. Ein Dilemma für die meisten Familien, ein noch größeres für alleinstehende Elternteile.

Ein Jahr später, im Januar 2021, trat die Homeoffice-Pflicht in Kraft. Arbeitgeber waren verpflichtet, ihren Mitarbeitern Homeoffice zu gewähren, soweit dies möglich war. Ein Wandel der Zeit. Doch neben den offensichtlichen Vorteilen gibt es auch einige Stolpersteine beim hybriden Arbeiten mit Kind(ern), die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Es betrifft mich und viele andere Eltern.

Beeinträchtigungen die uns im Homeoffice meist immer wieder begleiten

Der psychische Druck und die Isolation des Arbeitsumfeldes

Forsa-Umfrage zur Isolation bei hybriden Arbeitsmodells
Quelle: Studie TÜV Verband: https://www.tuevverband.de/pressemitteilungen/psychischebelastungenimhomeoffice

Ein Nachteil des Homeoffice mit Kindern ist die mögliche Isolation des Arbeitsumfeldes. Die vertraute Mittagspause mit den Kollegen, kurze Kaffeepausen oder der informelle Austausch im Büro – all das geht im Homeoffice verloren. Um ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie zu erreichen, ist es wichtig, sich während der Arbeitszeit nicht
täglich zuhause aufzuhalten. Dies kann in vielen Fällen dazu führen, dass man das Gefühl hat, seinen Verpflichtungen nicht gerecht werden zu können. Langfristig kann dies auch der psychischen Gesundheit schaden. Das ständige Arbeiten von zu Hause kann mitunter beengend wirken und durch die fehlende direkte Interaktion zu einem Gefühl der Abschottung von Arbeitsumfeld und Kollegen und Kolleginnen führen. Laut einer Studie des
TÜV-Verbands fühlen sich 30% der Befragten isoliert, jede(r) Achte empfindet Homeoffice sogar als psychische Belastung.

Sinkende Produktivität

„Mama, ich habe Hunger.“, „Mama, ich verstehe die Aufgabe nicht.“, „Mama, mir ist langweilig.“ Bis zu einem bestimmten Alter benötigen unsere Kinder eine kontinuierliche Aufmerksamkeit. Bei meinem 9 jährigen Sohn beobachte ich immer wieder, wie er es genießt, wenn ich von zuhause arbeite und er den ganzen Tag über Mama um sich haben kann. Ob er nun jede Stunde
hungrig ist, seine Hausaufgaben nicht versteht oder einfach nur kuscheln möchte – Kinder empfinden es oft wie eine Art Urlaub, wenn Mama oder Papa ihren beruflichen Verpflichtungen zuhause nachkommen. Es kommt nicht selten vor, dass man einerseits am Kochlöffel hantiert und andererseits E-Mails beantwortet.

Besonders während der Corona-Pandemie waren Eltern einer enormen Belastung ausgesetzt. Neben dem Homeoffice und den eigenen beruflichen Aufgaben, mussten sie sich parallel um die (schulische) Betreuung ihrer Kinder kümmern. Infolgedessen kam die persönliche Arbeit häufig zu kurz und musste in den späten Abendstunden nachgeholt werden. Dies kann zu einem Rückgang der Produktivität führen und insbesondere für alleinerziehende Eltern eine erhebliche Herausforderung darstellen. Auch ohne Pandemie bestehen diese Herausforderungen fort. Hausaufgaben, Haushalt und die Beschäftigung der Kinder beanspruchen zusätzlich zur beruflichen Tätigkeit viel Zeit, sodass vereinbarte Ziele möglicherweise nicht eingehalten werden können und die Arbeit sich anhäuft.

Längere Kommunikationswege

Im Homeoffice gestalten sich die Kommunikationswege häufig länger als üblich. Fragen zu einem bestimmten Kunden oder dringende Rückrufe können nicht mehr direkt im Bürozimmer des Kollegen geklärt werden. Kollegen sind häufig in Meetings oder anderweitig beschäftigt und eine gemeinsame Mittagspause ist nicht möglich. E-Mails werden zeitverzögert beantwortet und interne Chats nicht kontinuierlich überprüft. Dies kann die Zusammenarbeit und Lösungsfindung in problematischen Situationen erschweren.

Positive Aspekte des hybriden Arbeitsmodells, die keinesfalls außer
Acht gelassen werden dürfen

Steigerung der Work-Life-Balance

work-life-balance chart
work life balance chart
Quelle: Studie Capterra: https://www.capterra.com.de/blog/1934/work-life-blending

Das hybride Arbeitsmodell ermöglicht vielen eine bessere Work-Life -Balance. In der Regel verbringen wir 5 Tage die Woche 8 bis 10 Stunden in der Arbeit. Nach Feierabend wartet dann der Haushalt, die Wäsche und die Zeit, die wir der Familie widmen möchten. Durch das hybride Arbeitsmodell lässt sich das Arbeitsleben besser mit der Familie vereinbaren. Laut einer Studie des Software-Bewertungsportals Capterra empfinden 59% der Befragten dies ebenfalls als äußerst positiv.

Entspanntere Morgenroutine

Eine der positiven Seiten des hybriden Arbeitens mit Kind(ern) ist eine entspanntere Morgenroutine.

In der nachfolgenden Situation werden sich alle Eltern mit einem Schmunzeln wiedererkennen: Montag, 6 Uhr morgens. Mein Geduldsfaden fängt langsam an zu spannen, nachdem sich mein 9 jähriger Sohn auch nach dem vierten Weckversuch von rechts nach links im Bett dreht. Nachdem er beim nächsten Versuch merkt, dass meine Stimmlage sich langsam verändert, steht er nun widerwillig auf. Direkt nach dem Aufstehen erwartet mich das nächste Drama: Die Socken passen farblich nicht, die Hose ist zu unbequem und das T-Shirt möchte er heute nicht anziehen. Fünf Diskussionen und einen Weltuntergang später, ist er nun angezogen und zufrieden. Gott sei Dank kann man mit Cornflakes morgens nichts falsch machen, sodass das Frühstück ausnahmsweise problemlos abläuft. Gegen das Zähneputzen danach wird grundsätzlich gestreikt, sodass ich morgens schon das Gefühl habe – „Das wird mein Tag“. Mittlerweile ist es 7.30 Uhr und ich bin eigentlich schon viel zu spät dran für die Arbeit. Aber wir lieben sie trotzdem, unsere kleinen Räuber.

Eltern kennen die Herausforderungen, die mit dem morgendlichen Chaos einhergehen. Nicht selten verspäten sich meist alleinerziehende Mütter oder Mütter, deren Partner schon sehr früh das Haus verlassen. Es gibt immer etwas, das schiefgehen kann. Durch das Wegfallen des Arbeitsweges wird die Morgenroutine mit Kindern jedoch um einiges entspannter, ganz gleich, ob es sich um Kindergarten- oder Schulkinder handelt. Das frühe Aufstehen, die Diskussionen über Kleidung und das Frühstück mit Kind(ern) können harmonischer ablaufen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Morgenroutine niemals komplett ohne Stress verlaufen wird, wirklich niemals. Aber je nach Länge des Arbeitsweges fällt schon eine beträchtliche Menge Druck von uns und den Kindern ab.

Flexible Arbeitsgestaltung:

Der größte Vorteil liegt zweifellos in der flexiblen Arbeitsgestaltung. Eltern sind mit den Herausforderungen der Kinderbetreuung während Krankheit sowie der Ferienzeiten nur allzu gut vertraut. Durch ein hybrides Arbeitsmodell können wir diese Herausforderungen besser bewältigen.

Aufgrund eines akuten Personalmangels musste der Hort meines Sohnes volle 5 Wochen lang geschlossen bleiben, was eine äußerst herausfordernde Situation darstellte. Vormittags war bereits Schulschluss und danach lag die Aufsichtspflicht bei mir, was ohne ein hybrides Arbeitsmodell für mich unmöglich gewesen wäre. Dank meines Arbeitgebers konnte ich jedoch diese Phase überbrücken und von zu Hause arbeiten.

Situationen wie diese, aber auch die jüngste Corona-Pandemie, haben deutlich vor Augen geführt, wie wichtig das hybride Arbeiten ist. Es hilft dabei, die Arbeitsfähigkeit aufrechtzuerhalten und entlastet Eltern in solchen herausfordernden Zeiten. Die Vorteile des hybriden Arbeitsmodells haben sich sowohl für mich als auch für die Brainformatik bereits mehrfach bewährt.

Fazit

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Berufsbereiche das Modell umsetzen können. Homeoffice ist beispielsweise in der Pflege oder im Einzelhandel nicht möglich. Nicht alle haben die Chance, den grauen Arbeitsalltag bunt zu gestalten und das Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, ihre beruflichen Aufgaben selbstständig und flexibel einzuteilen.

Wie eine Medaille hat allerdings auch das hybride Arbeiten mit Kind(er) zwei Seiten, dabei ist es wichtig, die Vor- und Nachteile im Blick zu behalten. Um als vollfunktionierende Arbeitskraft zu agieren, muss der Körper, die Psyche aber auch die familiäre Situation im Einklang stehen. Es ist entscheidend, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen zu berücksichtigen. Mit einer ausgewogenen Balance zwischen Homeoffice und Büro ist dies in der Regel machbar.

Denn wir sollten niemals vergessen: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Gibt es bei der Brainformatik ein hybrides Arbeitsmodell?

Ja, bei der Brainformatik haben wir ein flexibles Arbeitsmodell, das Homeoffice und Büroarbeit kombiniert. Je nach Position bieten wir die Option, bis zu vier Tage im Homeoffice und einen Tag im Büro zu arbeiten. Jeder Mitarbeiter kann diese Entscheidung individuell treffen. Diese Arbeitsstruktur ermöglicht es uns, die Vorteile des Homeoffice zu nutzen und gleichzeitig den persönlichen Austausch und die Zusammenarbeit im Büro zu fördern, um Isolation zu vermeiden.

Zusätzlich profitieren wir von Gleitzeit, wobei die Kernarbeitszeiten zu berücksichtigen sind. Wenn die anfallenden Aufgaben frühzeitig erledigt sind, ist es nicht notwendig, die Zeit bis zum Feierabend im Büro zu verbringen. Dieses Modell bietet viele Vorteile für alle Mitarbeitenden, insbesondere an warmen Sommertagen.

Bei der Brainformatik pflegen wir gegenseitiges Vertrauen, Verständnis und Toleranz. Das bedeutet, dass es beispielsweise bei familiären Ereignissen kein Problem ist, früher zu gehen oder von zu Hause weiterzuarbeiten. Wir legen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und unterstützen unsere Mitarbeiter dabei, ihre beruflichen und persönlichen Verpflichtungen miteinander in Einklang zu bringen.

Schlusswort

Abschließend lässt sich sagen, dass das hybride Arbeiten mit Kindern eine gute Möglichkeit bietet, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Es erfordert jedoch eine gute Selbstorganisation und klare Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten. Jeder muss individuell abwägen, ob dieses Modell für die eigene Situation geeignet ist. Es ist wichtig, dass Arbeitgeber flexible Arbeitsmodelle anbieten und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden berücksichtigen, um eine gesunde Work-Life-Balance zu fördern.

Manchmal muss die Welt wohl erst stehen bleiben, um sich danach in die richtige Richtung weiterzudrehen. Beim nächsten Mal hoffentlich nicht mit einer weltweiten Pandemie. 😊

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